Interview – Mit Daniela Schreiter (Fuchskind) konnte kürzlich ein Interview machen. Die Künstlerin hat im Laufe der letzten 3 Jahre zwei Comic-Bände namens „Schattenspringer – Per Anhalter durch die Pubertät“ und „Schattenspringer – Wie es ist, anders zu sein“ im Panini Verlag veröffentlicht. Geplant ist für Spätsommer / Herbst eine weitere Veröffentlichung namens „Autistic Hero Girl“. Wir haben über diese drei Bände gesprochen, über (Asperger-)Autismus, Reize, Zukunftspläne, einen dritten Teil der Schattenspringer-Reihe und einigen anderen Themen. Viel Spaß beim Lesen.
1. Hallo Daniela. Ich hoffe, Dir geht es gut.
Danke schön, die sommerliche Hitze macht mir gerade sehr zu schaffen, aber ansonsten läuft es gut!
2. Der erste Schattenspringer-Teil ist ja schon ein wenig her. Wie sind seit dem die Resonanzen für Dich gewesen und wie bist Du damit umgegangen?
Unglaublich. Mit so viel Feedback hätte ich niemals gerechnet, obwohl der erste
Schattenspringer inzwischen vor drei Jahren herausgekommen ist, vergeht kaum eine Woche, in der ich nicht eine Nachricht von Lesern bekomme. Darunter sind nicht nur Autisten aller Altersgruppen (von 5-60 Jahre war alles dabei), sondern auch deren Verwandten, Lehrer, die mit Autisten arbeiten oder sich für Inklusion interessieren (so wichtig!), Ärzte, Psychologen, Therapeuten oder einfach Menschen, die sich für Autismus interessieren und wie Autisten die Welt wahrnehmen. Ich bin immer wieder überwältigt, auch dass der Comic inzwischen in der Charité ausliegt und frisch diagnostizierten Autisten empfohlen wird! Manchmal schreiben mir Leser sogar ihre ganze Lebensgeschichte und was sie alles durchmachen mussten, bevor sie richtig diagnostiziert wurden, das kann ganz schön bedrückend sein. Gleichzeitig bin ich von so viel Offenheit und Vertrauen natürlich sehr gerührt. Besonders schön sind die Kinderzeichnungen, die ich immer wieder zugeschickt bekomme – inzwischen habe ich schon eine ganze Sammlung von tollen Füchsen, gebastelt wie gemalt!
3. In einem Interview hast Du einmal geantwortet, dass Du dir zumindest vorstellen könntest einen dritten Teil zu machen. Wie könnte dieser Teil Deiner Meinung nach aussehen?
Ich arbeite sogar gerade an einem dritten Teil, ich kann hierzu aber nur so viel sagen, dass er diesmal etwas anders wird als die beiden vorherigen Bände. Ansonsten ist alles noch Top Secret!
4. Du verbindest Deinen Stil mit einigen Referenzen. Ich konnte unter anderem Douglas Adams‘ „Per Anhalter durch die Galaxis“ und „Doctor Who“ erkennen. Was kommt noch vor und was magst Du sonst noch für Künstler – egal, ob Musik, Literatur, Comic, … ?
Ja, zum Beispiel „Der kleine Prinz“ von Antoine Saint-Exupéry. Diese Geschichte hat sich natürlich gleich angeboten, nicht nur, weil ich sie so gern mag, sondern weil der kleine Prinz von einem anderen Planeten kommt, sich über die Angewohnheiten der anderen Planetenbewohner ziemlich wundert und Freundschaft mit einem Fuchs schließt. Ansonsten findet man noch Anekdoten zu den X-Men, Calvin und Hobbes, Star Wars, Totoro, Harry Potter und wahrscheinlich noch das eine oder andere Geekdom, das ich jetzt vergessen habe. Bei Musik bleibe ich oft bei den Bands, die ich früher schon gerne gehört habe, wie Queen, Pink Floyd, The Cure, David Bowie und Punk/Hardcore-Bands. Ich höre aber auch gern die Intros von alten Zeichentrickserien, wie Turtles oder Ducktales, das ist mein Guilty Pleasure. Bei Literatur lese ich gerade (mal wieder) die Harry Potter-Bände, ansonsten mag ich Matt Ruff, Paul Auster, John Irving, Chuck Palahniuk, Douglas Adams (natürlich), Terry Pratchett, Murakami, Neil Gaiman, Walter Moers, Kai Meyer und viele viele andere, ich bin ein ziemlicher Booknerd. Sachbücher, gerade zu Naturwissenschaften, verschlinge ich auch gerne. Bei Comics wird es jetzt richtig kompliziert, denn hier bin ich noch ein größerer Nerd und lese eigentlich fast alles, was ich in die Finger kriege, grade sehr gern Squirrel Girl (eine Superheldin mit Eichhörnchen-Kräften, how awesome is that?), Harley Quinn, Jessica Jones, Marvel/DC allgemein. Bei den deutschen Comickünstlern sind es aber noch mehr, zum Beispiel Sarah Burrini, Schlogger, Olivia Vieweg, Katja Klengel, Flix, Beetlebum und viele viele andere. Hier ist thematisch alles wild gemischt – ich finde es aber immer wieder schön, wenn ich eine (auto)biographische und/oder politische/wissenschaftliche Geschichte finde, wie die Comics von Guy Delisle, Joe Sacco, Ulli Lust, Raina Telgemeier (Smile und Schwestern), Logicomix, Feynman etc.
5. Gibt es etwas, was Du nicht machen solltest? Also, laute Musik, da zu viel Input und vor allem zu laut. Gibt es dazu ein visuelles Gegenstück, das eben in bildlicher Form „laut“ ist?
Grelles Licht ist schlimm, daher habe ich immer meine Sonnenbrille dabei. Selbst wenn der Himmel bedeckt ist, kann das Licht insgesamt noch so stechend (und damit richtig schmerzhaft sein), dass ich eine Sonnenbrille brauche. Auch Leuchtstoffröhren sind unangenehm.
6. Der Film „Rain Man“ handelt ja nicht, wie viele annehmen, von einem Autisten, sondern von einem Savant. Gibt es denn gute Literatur und Filme, die diese Thematik detailgetreuer / besser wiedergeben?
Ich empfehle immer wieder gerne Snow Cake, das ist mein Lieblingsfilm, der sich mit diesem Thema beschäftigt! Ben X ist ebenfalls sehr gut, empfehle ich aber nur mit Einschränkung, da der Triggerfaktor hier extrem hoch ist. Wer Mobbing selbst erlebt hat, sollte diesen Film nicht alleine schauen. Ich war danach seelisch sehr fertig und froh, mit jemanden reden zu können.
7. Das Zeichnen über Deinen Asperger-Autismus hast Du als sehr fordernd beschrieben. Hat es auch einen heilenden Prozess für Dich gehabt?
Ja, seit dem Comic gehe ich viel offener mit meinem Autismus um! Ich schäme mich nicht mehr dafür und sehe mein Anderssein nicht mehr als Makel, den man beseitigen muss. Das war insgesamt ein sehr langer Prozess und der Comic hat hierbei geholfen.
8. Kürzlich hast Du nicht nur geschrieben, dass es die Fuchskind-Comics schon sieben Jahre lang gibt, sondern auch das ein weiterer Comic beim Panini Verlag erscheinen wird. Der Name lautet Autistic-Hero-Girl. Was kannst Du uns darüber schon verraten? Ist es eine Fortsetzung oder etwas Eigenständiges, Unabhängiges vom Schattenspringer?
Es wird diesmal eine Sammlung von kurzen Comics sein, die meine kleinen, alltäglichen Abenteuer zeigen, es ist also kein Nachfolger von Schattenspringer. Diesmal sind auch alle Comics vollfarbig!
In jedem Autisten steckt im Prinzip ein kleiner Superheld, denn wir müssen mit ganz anderen Herausforderungen kämpfen als Nicht-Autisten. Was für einen anderen Superhelden ein Monster ist, das gerade den Keksvorrat der Welt aufessen will und aufgehalten werden muss, ist für uns vielleicht einfach nur der Weg in den Supermarkt oder ein Telefonanruf.
9. Was für Zukunftspläne hast Du sonst noch? Wird man Dich beispielsweise irgendwo antreffen, um den neuen Comic vorzustellen, zwecks Signierungen, Lesungen etc.?
Ich war dieses Jahr auf der Comic Con in Stuttgart – das war für dieses Jahr aber mein einiger Termn. Ansonsten lege ich derzeit Jahr eine Messepause ein, damit ich weiter an Schattenspringer 3 arbeiten kann. Nächstes Jahr sieht man mich aber wieder öfter, z.B. ziemlich sicher auf der LBM und dem CSE!